Polizist schlägt Kameramann „brutal“ zu Boden

Es klingt wie eine typische Schlagzeile einer Boulevardzeitung, mit eingeschränkt seriöser Berichtserstattung und wenn auch leicht übertrieben, ist etwas Wahres dran!

Nach einem Badeunfall in Geldern, kam es am vergangenem Dienstag zu einem Zwischenfall zwischen Polizei und Journalisten. Während der Kameramann seinem Job nachging und das Geschehen filmte, forderte ein Beamter (Polizei Kleve) ihn auf, seine Kamera auszuschalten, als er diese auf den Abtransport des Badeopfers richtete. Wenig eingeschüchtert davon, wies er auf die Pressefreiheit hin, dessen Dank dass zu Boden werfen seiner (recht teuren) Kamera war.

Die darauffolgenden Bilder sind eher unspektakulär, umso erschreckender die Situation sich auch zugespitzt hat. Der Journalist kommentiert völlig grundlos zu Bode geworfen zu sein, nur weil er seiner Arbeit nachgekommen ist. Übrige Polizeibeamte hätten nicht in das Geschehen eingegriffen.

Ich bin ehrlich gesagt ein wenig schockiert! Natürlich bin ich der Meinung, dass man solch ein Unglück nicht unbedingt filmen muss, auch wenn wir uns alle solche Bilder im TV ansehen. Zum Schutz des Opfers werden daher Decken als Blickschutz eingesetzt und auch in diesem Fall ging der Kameramann nicht auf Nahaufnahme sondern filmte aus einer gesunden Distanz. Der Beamte forderte den Journalisten auf seine Kamera auszuschalten, hätte ihn durch im Wege stehen und blockieren der Sicht meinetwegen auch an seiner Arbeit hindern können, doch muss es wirklich so eskalieren?

Aus eigenerer Erfahrung kann ich sagen, dass sich Wiebolds Kameramänner stets in einem gesunden Abstand zum Geschehen befinden, die Arbeiten nicht behindern und Großaufnahmen von Gesichtern sind mir bisher auch noch nicht zu Gesicht gekommen. Ich will nicht sagen, dass ich daher solche Aufnahmen gut heiße, aber es gibt nun mal eben Gesetze in Deutschland, an denen sich auch die Polizei halten muss, so unschön diese auch manchmal zu scheinen sein.
Der Journalist hat sich bei seiner Arbeit nicht gesetzwidrig verhalten, der Beamte hingegen schon. Welche Beweggründe er auch immer hatte, als Ordnungshüter hat er, so stressig sein Beruf auch sein mag, einfach einen kühlen Kopf zu bewahren und sollte dies auch in gerade solch eigentlich harmlosen Situationen beherrschen können.

Zur Prüfung des Verhaltens wurde nun ein Disziplinarverfahren gegen den Beamten eingeleitet. Die Polizei Krefeld ermittelt in dieser Angelegenheit.

Dieser Artikel wurde am 20. Juni 2009 um 10:46 Uhr von Marcel geschrieben und unter Sonstiges abgelegt. Dem Beitrag wurden folgende Tags zugeordnet: , , , , .

Bisher wurde 3 Kommentare zu diesem Artikel geschrieben

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Kommentar von Heide am 22.06.2009 um 12:40 Uhr

Guten Tag, ich finde es gelinde gesagt, immer sehr merkwürdig, wie sich Journalisten verhalten. Sie sind richtig „heiß“ auf ihre Bilder, sie gehen richtig darin auf, schlimmes Geschehen auf Fotos festzuhalten, man bekommt es als Beobachter solcher Journalistenszenen mit der Angst zu tun, weil Menschen, die Fotos machen, mit der Angst und den Nöten der Betroffenen spielen. Sie haben nur “ Ihr “ Foto im Kopf und müssen es unbedingthaben, eine Schlagzeile, die Kohle bringt. Oft hat das Verhalten von Bildjournalisten mit normalem beruflichen Verhalten nichts mehr zu tun. Ich finde es sehr schade, das es solche Menschen gint, die hinter Unfällen, Totschlag und Mord hinterher sind, wie der Teufel hinter der Seele. Nur um damit mal in die teuren Schlagzeilen zu kommen sich am Unglück anderer weiden, das finde ich schäbig. Man sollte solche Berichterstattung verbieten und die Pressestelle der Polizei mit der Nachrichtenveröffentlichung von polizeilichen Untersuchungen beauftragen. Alles andere ist schlicht gesagt, Opferverunglimpfung, ich würde dagegen klagen, wenn mir das passieren würde, wenn jemand mit meinem Unglück noch Geld verdient…und das nicht zu knapp. Gegen meinen Willen darf man nichts öffentlich äußern über mich, wie also ist das bei solchen Vorfällen mit dem Datenschutz ? Das interessiert mich.

Kommentar von Doreen am 30.06.2009 um 16:36 Uhr

Naja, ob man nun brutal zu Boden geschlagen wird, oder von jemandem Umgeworfen wird, ist schon ein gewaltiger Unterschied. Ohne Videoaufnahmen der Szene kann man wohl die Situation nicht einschätzen, und sollte sich deswegen auch kein Urteil erlauben!

Doreen

Kommentar von Pete am 21.07.2009 um 16:15 Uhr

Bezug auf Kommentar von Heide

„… ich finde es gelinde gesagt, immer sehr merkwürdig, wie sich Journalisten verhalten.“ In diesem Fall finde ich die Sorge eher unberechtigt. Ich weiß nicht was vor der verlinkten Aufnahme gezeigt wurde, aber das Material hier ist meiner Meinung nach seriös gehalten und zeigt kein dreistes Verhalten des Journalisten; im Gegenteil, wäre der Zwischenfall mit dem Polizisten nicht gewesen, wäre das Material sogar ziemlich nüchtern bis uninteressant – da hätten es Fotos vom Wagen und dem Hubschrauber auch getan. Ein wirklich Handlung, die es zu filmen gilt, sehe ich nicht.

„(…)weil Menschen, die Fotos machen, mit der Angst und den Nöten der Betroffenen spielen. “ Da haben sie natürlich recht, aber auf diesen konkreten Fall bezogen: Zu distanziert, um dem Journalisten so etwas zu unterstellen.

Ich bin mit sicherheit kein Freund von blutrünstiger Boulevard-Berichtererstattung, aber dies hier: „Man sollte solche Berichterstattung verbieten und die Pressestelle der Polizei mit der Nachrichtenveröffentlichung von polizeilichen Untersuchungen beauftragen. “ klingt ziemlich bedenklich.
Eine Medienzensur durch die Exekutive? Wie soll ein Beamter vor Ort den seriösen Journalisten vom Klatschblatt-Reporter unterscheiden? Dies wäre nur mit einem generellen Unterdrücken der Pressefreiheit möglich.

Die Opfer werden in der Regel anonym gehalten; Das Filmen dieser mag zwar fragwürdig sein, was a) aber in ethischer Fragestellung von der letztendlichen Darstellung maßgeblich abhängt und b) reicht das zum Glück nicht aus, um effektiv an der Verfassung zu rütteln.
Eine Zensur und ein massiver Eingriff ins Gesetzbuch beugt in diesem Falle leider, bzw. zum Glück nicht den ethischen Schwächen des Menschen vor.

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